Forschung
Im Rahmen unserer interdisziplinären Arbeit leisten wir gemeinsam mit unseren Partnern Forschung. Die Basis dieser Arbeit ist eine enge Vernetzung zwischen Ophtalmologie, Psychologie und Informatik. Dazu finden Sie hier neben eingehenden Informationen zu den Grundlagen und bisherigen Studien eine Liste der Veröffentlichungen.
Unsere Forschungsschwerpunkte sind:
- Untersuchung der Wirksamkeit von visuellen Schulungsverfahren bei der Behandlung von Amblyopie
- Entwicklung gezielter Stimulationsverfahren des Visuellen Systems
- Entwicklung von Messverfahren der Sehschärfe am heimischen PC
Studien
Pilotstudie
In einer Pilotstudie von 1998 wurde, unterstützt durch die Roland Ernst Stiftung und das Sächsische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, der prototypische Stimulator zur Behandlung von Amblyopie zum ersten mal klinisch erprobt werden.
| Titel: | Computerunterstützte Sehschulung I: Amblyopia treatment by means of computer-games with background stimulation: a placebo controlled pilot study of 10 days |
| Thema: | Pilotstudie zur Wirksamkeit von sinusoidaler Stimulation zur Behandlung von Amblyopie bei Kindern |
| Zeitraum: | 1996 – 1998 |
| Design: | placebo-kontrolliert |
| Studienpopulation: | 14 Amblyopiepatienten im Alter von 6 bis 13 Jahren |
Multizentrische Studie
Die erste deutschlandweite prospektive und multizentrische Studie 2001 diente der Felderprobung des Stimulators unter Einbeziehung unabhängiger Untersucher und Anwender. Unter unserer Koordination und mit Unterstützung des Berufsverbands der Orthoptistinnen Deutschlands wurde das Dresdner Sehtraining erstmalig deutschlandweit in ausgewählten Kliniken, Praxen und im Heimeinsatz erprobt.
| Titel: | Computerunterstützte Sehschulung II: |
| Thema: | Computerunterstützte Sehschulung nach dem Dresdner Modell. Im Zentrum dieser Untersuchung steht die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit monokularer Amblyopie. |
| Zeitraum: | 2001/2002 |
| Design: | multizentrisch, prospektiv |
| Studienpopulation: | 203 Amblyopiepatienten im Alter von 3 bis 14 Jahren |
Geplante Studie
Eine weitere klinische Studie zur Untersuchung der Wirkmechanismen und Praxistauglichkeit unseres Sehtrainings wird momentan vorbereitet. Diese wird sich auf die Ergebnisse der bisherigen Studien stützen und sieht die Anwendung des Sehtrainings im Heimeinsatz vor.
Für diese Studie hatten wir einen Antrag auf Forschungsgelder gestellt. Dieser wurde leider abgelehnt. Wir sind auf der Suche nach einem neuen Finanzier. Bei Interesse setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.
| Titel: | Computerunterstützte Sehschulung III: |
| Thema: | Erprobung des Stimulationsverfahrens in Heimtherapie |
| Zeitraum: | (in Planung) |
| Design: | placebo-kontrolliert, randomisiert, multizentrisch |
| Studienpopulation: | 340 Amblyopiepatienten im Alter von 4 bis 14 Jahren |
Wir entwickeln weiter
Das hier vorgestellte Verfahren wird kontinuierlich weiterentwickelt. Nach modernsten Standards klinischer Forschung (GCP) werden die Wirkmechanismen der Sehschule weiter untersucht, um die Effizienz des Verfahrens zu verbessern. Dabei geht es auch um die Überprüfung der Behandlungsergebnisse unserer bisherigen Studien.
Sie können an dieser Evaluation teilhaben!
Die Durchführung einer weiteren Studie wird gegenwärtig vorbereitet. Daran werden Augenkliniken, Arztpraxen und Sehschulen im gesamten deutschsprachigen Raum teilnehmen. Sollten Sie das Interesse haben – als Arzt, Orthoptistin oder Patient – an dieser Studie mitzuwirken, treten Sie bitte mit uns in Kontakt.
Amblyopie
Der Begriff ist dem Griechischen entlehnt und bedeutet „stumpfes Auge“ oder „dumpfes Sehen“. Er bezeichnet eine funktionell bedingte Schwachsichtigkeit eines oder beider Augen. Betroffen sind ca. fünf Prozent der Gesamtbevölkerung. Als gesicherte und häufigste Risikofaktoren gelten frühkindliches Schielen, Trübungen der Hornhaut oder Linse und höhere Kurz- oder Weitsichtigkeit.
Eine Amblyopie entwickelt sich als Folge dieser Risikofaktoren oder kann auch dann auftreten, wenn die Brechkraft der Linsen beider Augen stark voneinander abweicht oder eines der Augen in früher Kindheit nur ungenügend Reizeinwirkung bekam.
Prototypisch ist dabei die Situation des Schielens: hier kommt es infolge der überkreuzten optischen Achsen zur Konkurrenz zwischen den Bildern beider Augen. Um Doppelbilder zu verhindern, blendet das Gehirn das Signal des schwächeren zugunsten des stärkeren Auges mehr oder weniger stark ab.
Behandlung schwierig?
Nur bei einem frühzeitigen Erkennen kann eine Schwachsichtigkeit optimal behandelt werden. Viele Kinder schlüpfen jedoch durch das Raster der Früherkennung, wie z.B. häufig im Falle des kosmetisch unauffälligen Mikrostrabismus. Eine Amblyopie wird dann in der Regel erst mit den Sehtests beim Schuleintritt diagnostiziert.
Nun ist eine Behandlung aber schwieriger, denn das Nervensystem ist bereits weniger plastisch geworden. Rückfälle und eine aufwändige Nachsorge sind die Folge. Statt, dass die Kinder alle ihre Aufmerksamkeit den neuen Herausforderungen eines Schulbesuchs widmen können, kommen nun häufig psychosoziale Probleme durch das Tragen eines auffälligen Augenpflasters (Okklusionstherapie) dazu.
Die Kinder haben schulische Schwierigkeiten in allen Bereichen, die sensomotorische Koordinationsleistungen abverlangen und sie werden nicht selten von Gleichaltrigen gehänselt.
Sehen lernen
Helfen können hier besondere Sehübungen, bezeichnet als Pleoptik bzw. Orthoptik, die die Passivität des Okkludierens um eine eigene Aktivität des Kindes ergänzen. Ergänzen heißt, dass dabei der zeitweilige Augenverschluss nicht wegfällt, sondern die Okklusionstherapie unterstützt wird. Unsere unterstützende Methode möchte und kann keinesfalls auf die Wirkungen der Okklusion verzichten.
Es erscheint lediglich denkbar, unter der Obhut des behandelnden Ophthalmologen, nach einer Anschubbehandlung von der Vollzeit- oder Totalokklusion allmählich auf eine Teilzeit- oder Minimalokklusion umzustellen, die z.B. beim Fernsehen oder während der Spiel-/Schulungseinheiten Zuhause erfolgt. Damit kann die Therapie aus dem öffentlichen Bereich in die geschützte Privatsphäre des Kindes verlagert werden.